Wofür ich der Schule dankbar bin.
Ich habe die Schule früher nicht gehasst, aber als “schönste Zeit meines Lebens”, wie uns oft gesagt wurde, ist sie mir auch nicht in Erinnerung geblieben. Erst jetzt, da ich viel mit Menschen arbeite, die nie oder nur wenige Jahre zur Schule gegangen sind, ist mir zunehmend bewusst geworden, wie dankbar ich für meine Schulbildung sein kann.
Ich kann lesen und schreiben.
Was hierzulande für eine Erwachsene fast schon banal klingt, ist dennoch für das Leben der Gamechanger schlechthin, denn Lesen und Schreiben bedeutet nicht nur, die (lateinischen) Buchstaben zu kennen, sondern im weiteren Sinne Literalität.
Schnell mal beim Arzt ein Formular ausfüllen? Eine Benachrichtigungskarte von der Post oder Anzeige am Bahnhof verstehen? Eine Einladung lesen und beantworten? Sich schriftlich krankmelden?
Ohne Literalität birgt der Alltag viele Hürden.
Ich verstehe von (fast) allem ein bisschen.
Wie oft habe ich in der Schulzeit gesagt: “Wofür brauche ich…?”, und tatsächlich kann man über Sinn und Unsinn gewisser Inhalte im gymnasialen Lehrplan sicher streiten. Ich habe sehr viele verschiedene Inhalte kennengelernt, von denen ehrlicherweise ein sehr großer Teil auch wieder in Vergessenheit geraten ist. ABER, und das ist entscheidend: Ich habe dabei gelernt, mich erst mal “neutral” mit neuen Themen zu befassen. Dadurch fällt es mir leicht, mich in andere Lebens- und Themenwelten hineinzudenken.
Ich kann lernen.
Zugegeben, das wirklich strukturierte, selbstständige Lernen habe ich nicht in der Schule gelernt, sondern “drumherum”. Was die Schule dazu beigetragen hat, ist überhaupt die Notwendigkeit zu lernen, sowie das notwendige “Feedback” in Form von Austausch, Anregung und Bewertung.
Ich kann Frust aushalten.
Lernen ist weder immer leicht, noch macht es immer Spaß. Muss es auch gar nicht. Entscheidend ist, trotzdem nicht aufzugeben. Um das zu lernen, ist die Schule ein gutes Umfeld, denn schon wegen der Schulpflicht muss man hingehen (auch wenn man keine Lust hat), und da man in Klassenarbeiten nicht einfach leere Blätter abgeben kann, muss man sich letztlich auch bemühen, wenigstens mitzuhalten. Das heißt: Man muss sich überwinden und stellt dann (meistens) fest, dass es sich lohnt. Wer das gelernt hat, hat es leichter im Leben.